Die häufigsten Probleme im Alltag eines Gerichtsübersetzers und -dolmetschers

Die Anzahl der in Spanien am Gericht angestellten Übersetzer und Dolmetscher ist ungemein niedrig und weiterhin sind diese landesweit über ganz Spanien verteilt. Bei der Ausübung ihres Berufes stoßen die Gerichtsübersetzer und -dolmetscher immer wieder auf Schwierigkeiten, die aufgrund eines Mangels an Verständnis und Respekt für ihren Beruf herrühren. Diese Unkenntnis über die berufliche Tätigkeit des Übersetzers und Dolmetschers trägt dazu bei, dass die zu erwartenden und optimalen Arbeitsbedingungen einfach nicht gegeben sind.

 

Personaltechnisch sind die bei der spanischen Justizverwaltung angestellten Übersetzer und Dolmetscher verschiedenen Beamten- bzw. Laufbahngruppen zugeordnet. Die Zuordnung zur jeweiligen Laufbahngruppe hängt jedoch davon ab, ob die Personalkompetenzen der zentralen Justizverwaltung oder den Verwaltungen der Autonomen Regionen obliegen. So gehören die Gerichtsübersetzer und -dolmetscher im Baskenland, in Madrid und auf den Kanarischen Inseln der Gruppe 1 an (Inhaber eines höheren akademischen Grades), in Andalusien aber der Gruppe 2 (Akademiker). In den Autonomen Regionen, die noch vom Justizministerium verwaltet werden, sowie in den zentralen Staatsbehörden (Audiencia Nacional - Nationaler Gerichtshof - und Tribunal Supremo – Oberster Gerichtshof -) werden die Dolmetscher und Übersetzer unter der Gruppe 3 (Abiturienten) geführt.

 

So ergibt sich die widersprüchliche Situation, dass zum Beispiel an den Amtsgerichten am Plaza de Castilla in Madrid die Übersetzer und Dolmetscher einen höheren akademischen Grad bzw. Ausbildung vorweisen müssen als die Übersetzer und Dolmetscher an der Audiencia Nacional (Nationaler Gerichtshof), die nur das Abitur bestanden haben müssen. Unbeschadet dessen sind trotzdem fast alle Stellen von Übersetzern und Dolmetschern besetzt, die einen höheren Abschluss und Universitätsstudium aufweisen können. Dieser Umstand ergibt sich zweifellos aus der nötigen Schwierigkeit der Berufsausübung und der damit verbundenen notwendigen Berufsausbildung, sowie der Rolle die dem Übersetzer und Dolmetscher im Rahmen der polizeilichen und gerichtlichen Ermittlungen beikommt z. B. bei so sensiblen Themen wie der Terrorismusbekämpfung. In gleichem Maße sollte es in allen Verfahren qualifizierte Dolmetscher und Übersetzer geben, genauso wie es auch qualifizierte Rechtsanwälte gibt.

 


Des Weiteren haben einige Autonome Regionen die Entscheidung getroffen, die entsprechenden Übersetzungs- und Dolmetscherdienste auszuschreiben. Hieraus ergibt sich der Umstand, dass zwischen dem Übersetzer bzw. Dolmetscher und dem Gericht nun ein Vermittler auftritt. Bedauerlicherweise ergibt sich hieraus eine neue Problemstellung in Bezug auf die Entrichtung, da die Ausschreibungen kein verhältnismäßiges und bemessenes Entgelt für die Übersetzer und Dolmetscher festsetzen. Das Ergebnis ist eine geradezu belanglose Vergütung der Übersetzer und Dolmetscher aufgrund der Tatsache, dass die vorbenannten Zwischenhändler bis zu 60 Prozent der Vergütungen, die von der Justizverwaltung für die geleisteten Dienste vorgesehen sind, einbehalten.

Die vorbenannten externen Zwischenhändler, die nun für die Übersetzungs- und Dolmetscherdienstleistungen verantwortlich sind, beauftragen außerdem nicht immer ausreichend qualifiziertes Personal, sehr zum Schaden der professionellen Übersetzer und Dolmetscher.

Alle vorbezeichneten Punkte führen zu einer eindeutigen Qualitätsverschlechterung der allgemein geleisteten Tätigkeit. Konsequenzen die alle Beteiligten eines Gerichtsverfahrens betreffen: Richter, ausländische Angeklagte, Staatsanwälte und Rechtsanwälte.